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Ein Mann mit vielen Leben:

Vor 125 Jahren wurde Hans Fallada geboren

Schon zahlreiche Biografen haben sich an Hans Falladas Leben abgearbeitet – und ihn doch nie ganz zu fassen bekommen. Denn Rudolf Ditzen (1893-1947), wie Hans Fallada eigentlich hieß, lebte mehrere Leben gleichzeitig. Er war Alkoholiker und Schürzenjäger, Familienvater und Kartoffelexperte, Straftäter und Antifaschist. Doch zuallererst war er ein großartiger Erzähler, "Der eiserne Gustav", "Kleiner Mann, was nun?" und "Jeder stirbt für sich allein" gehören zu seinen Werken.

Bücher Fallada
Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Übersetzungen, Rezensionen, Briefe: Fallada war äußerst produktiv

Im idyllischen Carwitz in Mecklenburg-Vorpommern, dort wo die Eiszeit sanfte Hügel und tausend Seen hinterlassen hat, war Hans Fallada elf Jahre lang zu Hause, die Zeit gehörte zur glücklichsten und produktivsten des Erzählers. Hier lebte er mit seiner Frau Anna und den drei Kindern. Bis heute sind Falladas Spuren in Carwitz sichtbar: In dem ehemaligen Wohnhaus befindet sich nicht nur sein Schreibtisch, sondern auch ein kleines Fallada-Museum.

Haus Fallada Carwitz
Am 21. Juli 1933, seinem 40. Geburtstag, kaufte Rudolf Ditzen im mecklenburgischen Carwitz einen kleinen Bauernhof, 1945 wurde er hier Bürgermeister

Dort wird auch erklärt, was die Faszination an dem Menschen Fallada ausmacht. So wird der Fallada-Biograf Peter Walther zitiert. Dieser erklärt, die Bilder von Fallada lassen sich nur schwer in Deckung bringen: "Hier der disziplinierte Arbeiter, der pedantisch den Alltag plant, der respektierte Landwirt, der liebende Familienvater und zuverlässig für seine Angestellten sorgende Vorstand des Hauses. Und dort der Künstler, bedrängt von seinen Dämonen, der Erotomane, der politische Opportunist, der Alkoholiker und Morphinist."

Schreibtisch Fallada
Sein Schreibtisch und die Schreibmaschine stehen noch immer da. Hier tippte er unter anderem den 580-Seiten-Roman "Wir hatten mal ein Kind" – innerhalb von nicht einmal drei Monaten

Fallada selbst hat seinen Biografen die Arbeit noch schwerer gemacht. Indem er auch in seinen Erinnerungsbüchern die Grenzen von Literatur und Lebenswirklichkeit ständig verwischte, machte sich Fallada zur lebenden Legende. Seine "autobiografische" Schrift "Damals bei uns daheim" (1941) ist mehr als unzuverlässig. So gestand Fallada in Briefen an seine Schwester Elisabeth, "dass ich über Themen fabuliere, also über Eltern, Geschwister, Verwandte, ich stehle auch schamlos Kindheitserlebnisse von andern." –  Da bleibt dem Biografen nur der Abgleich mit anderen Quellen.

Fallada original
Auf dem Tisch steht eine Kaffeekanne, doch Fallada verfiel immer wieder dem Alkohol, um seine Nerven zu beruhigen.

Der Reichtum an Quellen zu Falladas Leben ist enorm. Das Archiv in Carwitz umfasst rund 8.000 Briefe. Sie stammen aus den Jahren ab 1928 und sind größtenteils unveröffentlicht. Außerdem pflegte Fallada in der Carwitzer Zeit diverse Arbeitskalender, in denen er täglich kleine Notiten machte. Spuren hiterließ Fallada auch in Prozess- und Krankenakten. Nicht zuletzt war Falladas Familie sehr schreibfreudig: Von Mutter, Vater und Großmutter sind ebenfalls Erinnerungen überliefert.

Fenster Fallada
Blick von der Veranda auf das 1.500 Quadratmeter große Anwesen am Carwitzer See, der Garten ist größtenteils originalgetreu bepflanzt 

Doch auch bei noch so genauer Recherche, bleibt jede Biografie ein Stück weit fiktional. Denn eine gute Geschichte, braucht einen roten Faden. Doch welches Leben verläuft schon nach Plan? "Ohne diese Unterstellung, ohne diese im Rückblick empfundene Einheit und Folgerichtigkeit des Lebens, ist eine Biografie überhaupt nicht denkbar", erklärt Peter Walther. "Diese Spannung lässt sich im Erzählen nicht auflösen, daher hat jede Biografie, die über eine pure Materialsammlung hinausgeht, mehr oder weniger fiktionalen Charakter."

Dreiecks-Beet Fallada
Hier wachsen noch heute Klatschmohn, Margarite, Rittersporn und Malve, römische Kamille, Gilberich, Bartnelke, Glockenblume, Aster, Ringelblume, Kornblume und Cosmea: Das Dreiecksbeet pflegte Falladas Frau Anna
Totenmaske Fallada
Fallada starb im Alter von 53 Jahren in einem Krankenhaus in Berlin-Niederschönhausen an den Folgen seines hohen Morphin-Konsums. In seinem letzten Lebensmonat schrieb er im Krankenbett den Roman "Jeder stirbt für sich allein"
Fallada Grab
Bis 1981 war Hans Fallada in einem Ehrengrab in Pankow beigesetzt, Seine erste Frau Anna machte sich für eine Umbettung nach Carwitz stark, dort ist bist heute das Grab

Selber hinfahren:

Hans-Fallada-Museum
Zum Bohnenwerder 2

Carwitz/Feldberger Seenlandschaft
Tel.: 039831/20359
www.fallada.de

 

 

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